In vielen Kulturen wird Besuchern zur Begrüßung eine Tasse Tee angeboten, sie dürfen sich eingeladen fühlen, es sich gemütlich zu machen, auf dass man sich ruhig unterhalten und besser kennen lernen kann.

Virtuell möchte ich das hier nun mit Ihnen tun. Machen Sie es sich gemütlich und lassen Sie uns ins Gespräch kommen!

1. Tasse

Menschen willkommen zu heißen, ist für mich so selbstverständlich wie das morgendliche Zähneputzen, denke ich. Warum? Vielleicht, weil ich über meine eigenen Belange hinaus Neugier und Interesse für den oder die “Anderen” aufbringe?

Jemanden willkommen zu heißen, bedeutet für mich, freundlich zu sein, genau zuzuhören und zu helfen, wo mir das möglich ist (und natürlich nur, wenn’s auch gewünscht wird).

Das erfordert ein Stück Arbeit von mir: Es gilt, meine eigenen Begrenzungen zu überschreiten, niemanden vorzuverurteilen. Dafür muss ich selbst in Balance sein.

2. Tasse

Nachdem sich Deutschland nach fast 50 Jahren Anwerbung von Arbeitern aus dem Ausland endlich als Einwanderungsland zu verstehen begann, geriet der Begriff “Willkommenskultur” in alle Munde.

Hintergrund ist eine Furcht: Die Furcht vor dem Fachkräftemangel, der vielleicht keiner ist. Das Nachdenken über “Willkommenskultur” begann und der Gesetzgeber erleichterte es Hochqualifizierten unter gewissen Auflagen, nach Deutschland einzuwandern und hier zu arbeiten.

Handlungsbedarf gibt es weiterhin. Nicht allein liberalere rechtliche Rahmenbedingungen können Deutschland interessanter für Einwanderer machen, sondern, ja … , dieses Gefühl, das man als Einwanderer haben könnte, wirklich willkommen zu sein.

3. Tasse

In Deutschland drückt der Schuh: In der Schule, während der Ausbildung, beim Einstieg ins Berufsleben werden Migranten und ihre Kinder benachteiligt. Fremdenfeindliche Straftaten nehmen wieder zu. Leider wiederholen sich diese Art von Nachrichten von Jahr zu Jahr aufs Neue.

Unterbelichtet bleibt hingegen die “Ossi-Diskriminierung”. Eine wenig beachtete Studie des WZB belegte, dass Ostdeutsche nur einen geringen Prozentsatz der Entscheidungsträger in Deutschland stellen. Und das 25 Jahre nach dem Mauerfall!

Wohin kann man sich wenden, wenn man eine Diskriminierungserfahrung gemacht hat? Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes informiert und berät Menschen, die Diskriminierung erfahren haben. Das Deutsche Institut für Menschenrechte führt Links zu Anlaufstellen auf, die sich auf verschiedener Ebene für Chancengleichheit einsetzen. Besonders spannend finde ich die Ansätze zur anonymisierten Bewerbung in Berlin.

Und [w]ortsfremd, was tun wir für Willkommenskultur? Für uns steht die Selbstermächtigung von Einwanderern im Mittelpunkt. Frei nach dem Motto “Wissen ist Macht” möchten wir Einwanderern helfen, sich in Deutschland leichter zurechtzufinden. Das geht über die Sprache, aber auch über Einblicke in deutsche Geschichte, deren Erzählung in europäische Traditionen eingebunden ist. Sprache und Kultur sind das gemeinsame Dritte, über das wir uns mit Neuankömmlingen austauschen und das es ihnen ermöglicht, viele Anknüpfungspunkte zu finden.

Und Sie? Was heißt “willkommen heißen” für Sie? Sind Sie als Hochqualifizierte nach Deutschland eingewandert? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Drei Tassen Tee und drei Versuche über “Willkommenskultur”

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